Österreichisches Theatermuseum

Erstmals ermöglicht das Österreichische Theatermuseum mit einer großen Schausammlung seinen Besuchern Einblick in seine reichhaltigen Sammlungen: aus den über 1,6 Millionen Objekten aus den Bereichen der Kostüme, Bühnenbildmodelle, Fotografien, Plakate, Handzeichnungen, Requisiten und sonstigen Objekten aus der Welt des Theaters wurden die schönsten und interessantesten ausgewählt.

In enger Zusammenarbeit mit den MitarbeiterInnen des Hauses hat der international renommierte, österreichische Bühnenbildner Herbert Kapplmüller diese Ausstellung für Sie erarbeitet.

Handzeichnungen

Die Gestaltung des Spiel-Raumes, Verkleidung und Maskierung sind bestimmende Teile des Szenischen. Seit der Renaissance war es zentrale Aufgabe des Theaters, ein fiktives Geschehen als Realität erlebbar zu machen. Der Architekt und Szenengestalter Lodovico Ottavio Burnacini, die bestimmende Persönlichkeit der Leopoldinischen Oper, und die Bühnenbildner- und Theaterarchitektenfamilie des Spätbarock, Galli-Bibiena, schufen Illusionsräume, die durch komplizierte technische Einrichtungen als Wunder erlebt wurden.

Die Sammlung der Handzeichnungen ist eine der bedeutendsten Spezialsammlungen der Welt zum Thema Theater. Ihre Ursprünge gehen auf die kaiserliche Sammlung zurück. Zu den bedeutendsten Konvoluten zählen die Bühnenbild-, Kostüm- sowie Festgestaltungsentwürfe des aus Mantua stammenden Architekten und Szenengestalters Lodovico Ottavio Burnacini, der bestimmenden Persönlichkeit der Leopoldinischen Oper im Wiener Hochbarock.

Guckkastenbühne und Illusionismus erreichten im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Erst im 20. Jahrhundert suchte man die Schein-Realität der Bühne zu brechen, einen Bedeutungsraum zu schaffen: Edward Gordon Craig revolutionierte - nicht zuletzt durch sein theoretisches Werk - das Bühnengeschehen, Alfred Roller und Gustav Mahler erzwangen die Reform der Opernbühne und Caspar Neher definierte mit Bertolt Brecht das Theater neu. Bühnenbild- und Kostümentwürfe sind meist handwerkliche Vorlagen für die Werkstätten. Sie entfalten erst durch ihre Umsetzung auf der Bühne im Zusammenspiel von Raum, Bewegung, Licht und Schatten ihre künstlerische Absicht.

Barockzeit

Am europäischen Theater der Barockzeit herrschte Formenvielfalt. So bestand die dekorationslose Bühne der Commedia dell'arte und des Hanswursts neben der von Italien ausgehenden Kulissenbühne. Darüber hinaus gab es eine höfische Festkultur, die vom Roßballett, über großartig inszenierte Feuerwerke bis hin zu allegorienhaften Spielen in Form von Schiffs- und Wagenzügen zu Wasser und zu Land reichte.

Um die Einmaligkeit dieser barocken Theaterfeste, die aus Anlaß von Monarchenhochzeiten oder Fürstenempfängen mit großem Gepränge veranstaltet wurden, für die Nachwelt festzuhalten, ließ man aufwendige Bilderfolgen stechen, in denen die Bühnendekorationen in all ihren Verwandlungen zu sehen waren.
Sie waren das Werk berühmter Bühnenarchitekten und -ingenieure wie Lodovico Burnacini, Giuseppe Galli-Bibiena, Ferdinando Tacca oder Alfonso Parigi, die mit Hilfe der Kulissenmalerei und bereits raffinierter Bühnentechnik Scheinwelten von unglaublicher Pracht auf die Bühne brachten.

Die parallel dazu existierende populäre Theaterkultur - die Commedia dell'arte oder das Hanswurstspiel - bot ihrem Publikum bescheidenere Welten, dafür aber viel Witz und Komik.

Figurentheater

Die Ausdrucksmöglichkeiten der Figuren ergeben sich durch die verschiedenen Arten des Puppenspiels. Jede Technik bedingt bestimmte, nur ihr eigene Bewegungsabläufe, die vom Zuschauer als gestischer Kanon abgelesen werden. Der Spieler muß die technischen Grenzen seiner Figur studieren und darf sie nur unter gewissen Umständen durchbrechen. Diese Möglichkeiten werden hauptsächlich bei zeitgenössischen Inszenierungen als bewußte Brüche eingesetzt.

Die von unten und von innen geführten Handpuppen des Kasperltheaters erhalten ihre Lebendigkeit durch den direkten Kontakt mit der Hand des Puppenspielers.
Die beschränkten Bewegungsmöglichkeiten werden durch lebhaften Einsatz der Sprache ausgeglichen. Stabpuppen werden ebenfalls von unten geführt. Ein Stab trägt den Körper und ist oft mit zusätzlichen Mechaniken für den Kopf und die Hüften ausgerüstet. Die beiden Stäbe an den Händen ergeben zusammen mit dem Hauptstab die sogenannte Dreipunktführung.

Sie bedingt sehr abgezirkelte, distanzierte Bewegungsabläufe von großer Ausdruckskraft. Die Puppen an Drähten und Fäden werden von oben geführt und gewinnen ihre scheinbare Lebendigkeit durch die Gesetze der Schwerkraft. Kleists berühmter Text Über das Marionettentheater bietet den philosophischen Hintergrund für diese Puppentechnik.

Das uralte, aus dem Totenkult gewachsene Schattentheater hat seine historischen Formen längst erweitert und gibt dem künstlerischen Figurentheater unbegrenzte neue Möglichkeiten.

Kostüme

Im 17. und 18. Jahrhundert waren die Schauspieler und Sänger ausschließlich in stilisierten Kostümen nach der herrschenden französischen Mode gekleidet. So stellten Damen im Reifrock z.B. auch Griechinnen dar. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann das historische Kostüm auf dem Theater Fuß zu fassen. Nach und nach wurden die Kostüme den Erfordernissen des Stückes entsprechend entworfen und auf Kosten des Theaterunternehmens angefertigt. Bis dahin mußten die Schauspieler und Sänger vielfach auf eigene Kosten Kostüme zur Verfügung stellen.

Ein Rest dieser Vorgangsweise findet sich in dem heute noch gültigen Schauspielergesetz, in dem aufgezählt ist, welche Bekleidung der Schauspieler selbst zu stellen hat.
Von einer Kostümausstattung im heutigen Sinn kann erst gesprochen werden, wenn ein Regieteam - Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner - ein szenisches Konzept verwirklicht.

Die Kostümsammlung des Österreichischen Theatermuseums umfaßt ca. 700 Exemplare. Die "Palette" reicht von Kostümen berühmter Darsteller wie Leo Slezak oder Klaus Maria Brandauer bis zu Stücken nach Entwürfen von bildenden Künstlern wie Pablo Picasso oder Caspar Neher.

Programme und Plakate

Seit der Erfindung des Buchdrucks wirbt auch das Theater mit Hilfe gedruckter Theaterzettel für seine Vorstellungen. Marktschreierisch oder diskret wird das Publikum über Wissenswertes einer Theatervorstellung informiert. Der älteste Theaterzettel der Sammlung, eine Ankündigung der Hanswurstiade "Psyche...", stammt aus dem Jahr 1713. Anton Stranitzky, der "Wienerische Hanswurst", mit seinem "Teutschen Komödianten" soll am 2. Februar 1713 im Kärntnertortheater spielen.

Der Theaterzettel gewährt einen Rückblick auf die Spielgewohnheiten der Vergangenheit. Im 19. und 20.Jahrhundert ist der Theaterzettel oder später das umfangreichere Programmheft aus dem Theaterbetrieb nicht mehr wegzudenken.
Die grafische Gestaltung wird luxuriöser. Im Jugendstil entstehen kleine Meisterwerke der grafischen Kunst, aber auch das Varieté der 20er Jahre läßt seine Programme aufwendig gestalten. Gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlebt die Plakatkunst ihren Höhepunkt. Die Technik der Farblithographie ermöglicht großformatige Bildplakate, die eine neue Kunstform - die Plakatkunst - entstehen lassen.

Das Theater und insbesondere neue Theaterformen wie Kabarett, Varieté oder die Revuen verwenden das Plakat als eindrucksvolles Werbemittel.

Grafische Gestalter oder Bühnenbildner wie Ernst Klimt, Alfred Roller oder Emil Pirchan schaffen paradigmatische Theaterplakate.

Orchestergraben

Die hoch entwickelte Theaterkultur des 19. Jahrhunderts hat in allen größeren Städten Europas nach Genres und Publikumsschichten differenzierte Theaterbauten hervorgebracht. Ihnen allen gemeinsam aber ist die "Bildbühne" - als Projektionsfläche für die optimale Bühnenillusion.

Das Altwiener Volkstheater der Biedermeierzeit ist eine auf Zauber- und Possenspiele spezialisierte Theaterform. So geniale Schauspieler-Autoren wie Johann Nestroy oder Ferdinand Raimund wirkten an Wiens Vorstadtbühnen und schufen auch heute noch gültige Stücke.
Sie sind in den Stichen von Johann Christian Schoeller auf authentische Weise festgehalten - voll des naiven Charmes dieser Wiener Volkskultur.

Im 19. Jahrhundert gewinnt der Schauspieler auf Grund seiner differenzierten, durch professionelle Ausbildung geschulten Rollengestaltung an Bedeutung. Es wird üblich, daß Rollenbilder von Schauspielern in großer Auflage erscheinen.

Autographen

Den Grundstein der Bestände bildet seit 1922 die Sammlung Hugo Thimig (1854-1944; Hofschauspieler, Regisseur und Burgtheaterdirektor). Im Laufe der Jahre konnten neben bedeutenden Einzelstücken die Teil- und Splitter-Nachlässe hervorragender Künstler, Persönlichkeiten des Sprech- und Musiktheaters und des Tanzes erworben werden. Sie enthalten Materialien verschiedenster, oft auch sehr persönlicher Art. Briefe, Manuskripte, Regiebücher und Rollenhefte , aber auch Gagenbestätigungen, Auftrittsverzeichnisse und Tagebücher.

Bühnenbildmodelle

Bühnenbildmodelle dienen als Arbeitsvorlage für die Theaterwerkstätten, unterstützen die räumliche Vorstellung des zu gestaltenden Bühnenraumes und tragen maßgeblich zur Verständigung zwischen Bühnenbildner und Regisseur bei. Je nach Epoche sind Form und Stellenwert des Bühnenraumes verschieden: Im Mittelalter bildeten sakrale oder profane Orte die Spielbühne, auf der Zuschauer und " Schauspieler" miteinander agierten.

Erst in der Renaissance und im Barock ließ man eigene Häuser für theatrale Aufführungen bauen und trennte den Bühnen- vom Zuschauerraum - die Guckkastenbühne, wie wir sie heute noch kennen, war entstanden; diese wurde nun von " Profis" - den Theaterarchitekten - künstlerisch gestaltet. Der Bühnenraum blieb bis ins 20. Jahrhundert illusionistischer Dekor für die dort stattfindende Handlung.

Programmatische Schriften von namhaften Theaterideologen, Theater-Arbeiten avantgardistischer Künstler und nicht zuletzt technische Errungenschaften machten es möglich, utopische und visionäre Ideen, wie z.B. die vielbeachtete Raumbühne Friedrich Kieslers, zu verwirklichen und neue Maßstäbe für das Theater des 20. Jahrhunderts zu setzen.

Theaterfotografie

Die Flüchtigkeit des theatralen Ereignisses läßt seit jeher im Menschen den Wunsch entstehen, große Momente für die Ewigkeit festhalten zu können. Bis ins 19. Jahrhundert erfüllten vor allem die Produkte der Druckgrafik dieses Bedürfnis. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann das neue Medium der Fotografie diese Aufgabe zu übernehmen. Lange Zeit wurden vor allem Porträts bzw. nachgestellte Bühnenszenen aufgenommen.
Mit Hilfe neuer technischer Entwicklungen gelangen Hans Böhm 1924 schließlich die ersten Szenenaufnahmen direkt von der Bühne. Erst jetzt war es wirklich möglich, das Theaterereignis im Augenblick seines Entstehens festzuhalten.

Die Flüchtigkeit des theatralen Ereignisses läßt seit jeher im Menschen den Wunsch entstehen, große Momente für die Ewigkeit festhalten zu können. Bis ins 19. Jahrhundert erfüllten vor allem die Produkte der Druckgrafik dieses Bedürfnis. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann das neue Medium der Fotografie diese Aufgabe zu übernehmen. Lange Zeit wurden vor allem Porträts bzw. nachgestellte Bühnenszenen aufgenommen.
Mit Hilfe neuer technischer Entwicklungen gelangen Hans Böhm 1924 schließlich die ersten Szenenaufnahmen direkt von der Bühne. Erst jetzt war es wirklich möglich, das Theaterereignis im Augenblick seines Entstehens festzuhalten.

Öffnungszeiten:

Di - So: 10 - 18 Uhr
Die Bibliothek ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr und
von 14 bis 16 Uhr 45, am Samstag von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

Eintrittspreise

Erwachsene € 8,00
Ermäßigt € 6,00
Wien-Karte € 7,00
Gruppen (ab 10 Personen) p.P.
€ 6,00
Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren frei

Führungskarte

€ 3,00

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Steckbrief

Österreichisches Theatermuseum (3 Angebote & Ideen)
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Lobkowitzplatz 2

EUR 8,00 - Erwachsene
Dienstag - Sonntag
10 - 18 Uhr
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