Hofjagd- und Rüstkammer

Die Wiener Sammlung ist die bestdokumentierte höfische Rüstkammer der abendländischen Welt, da sie durchwegs Objekte beinhaltet, deren Schöpfung oder Eingang in die Sammlung ein hochpolitisches Ereignis zugrunde liegt: ein Feldzug, ein Reichstag, eine Huldigung, eine Krönung, ein Herrschaftsantritt, eine Verlobung, Hochzeit oder Taufe. Nahezu alle westeuropäischen Souveräne und Fürsten vom 15. bis ins frühe 20. Jahrhundert sind mit Objekten vertreten. Die hohe künstlerische Qualität der Objekte beruht auf dem Repräsentationsanspruch der Herrscher und ihrer Vasallen. So sind die gezeigten Harnische durchwegs Einzelanfertigungen der berühmtesten Plattner und für die oft prachtvollen Ätzungen sind nicht selten die Entwürfe so berühmter Künstler wie Dürer oder Holbein verwendet worden.

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Armatura alla francese

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1451 bestellte Kurfürst Friedrich von der Pfalz (1425-1476) anläßlich seines Regierungsantritts einen Harnisch bei der damals führenden Werkstatt der Familie Missaglia in Mailand. Bereits vor 1300 hatte man dort schrittweise begonnen, den Körper durch Stahlplatten zu schützen, um 1400 war die Entwicklung zum Plattenharnisch abgeschlossen. Der Friedrich-Küriß vermittelt als typischer italienischer Quattrocentoharnisch den Eindruck von Wucht und Massigkeit. Allerdings erhielt Kurfürst Friedrich, dem französischen Geschmack entsprechend, überlange Schnabelschuhe, einen großen Helm mit Rundvisier (Grand Bacinet), symmetrische Schultern und Scheiben zum Schutz der Achseln.

Prunksturmhaube

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Das Generalthema dieser Sturmhaube ist Aeneas, der Ahnherr Roms. Aeneas verkörpert die Verbindung zwischen Mars und Venus, deren Sphären die Sturmhaube zugeordnet ist und die sich auf dem Kamm des Helmes findet. Auf der Helmglocke sind, von gekerbten Rahmenleisten umgeben, Szenen aus der Aeneis des Vergil dargestellt. Auf der einen Seite ist der Kampf des Aeneas bei der Landnahme in Italien aus dem X. Buch der Aenaeis geschildert. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man den Angriff der Camilla gegen die troianischen Krieger aus dem XI. Buch der Aeneis.

Radschloßgewehr und Pulverflasche

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Es ist nicht weiter verwunderlich, daß im ausgehenden 16. Jahrhundert., auch Waffen zu dekorativen Schauobjekten wurden. Der Augsburger Goldschmied David Altenstetter verwendete den gleichen Dekor, wie ihn die ausgestellte Silberbüchse trägt, auch für eine im KHM erhaltene Uhr. Die Silberplatten sind mit buntem Email im Stile von Ornamentvorlagen Corbinion Sauers geschmückt. Das Dekorative steht im Vordergrund, besonders deutlich wird das an der ungewöhnlichen Form der Pulverflasche. Auf dem Anschlag verherrlicht ein Medaillon im Stile der Türkenkriegsbilder Hans von Aachens den Frieden von Szitva Torok.

Steckbrief

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